

Homo-Heiler in Marburg
Ein enormes Polizeiaufgebot begleitete den Auftakt des "Kongress für Psychotherapie und Seelsorge" in Marburg - in Erwartung von Randalen wurden nicht nur die Eröffnungsveranstaltung unter hohen Polizeischutz gestellt, auch die angekündigte Demo des Aktionsbündnisses "Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus", die vom Marburger Hauptbahnhof durch die Innenstadt bis zum Kongressgebäude führte, wurde von der Polizei überwacht. Der bunte Zug blieb friedlich, lediglich eine kleine Gruppe Demonstranten versperrte nach der offiziellen Demo den Zugang zu einigen Veranstaltungsräumen und verhinderte die dort geplanten Vorträge.
Grund des Ganzen: zwei Teilnehmer des Kongresses. Dr. Christl Ruth Vonholdt vom Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft und Markus Hoffmann von der Seelsorge-Organisation Wüstenstrom, vertreten die Auffassung, Homosexualität sei therapeutisch heilbar.
Dem Protest-Bündnis schlossen sich über 50 lokale Gruppen aus dem Uniumfeld an, darunter auch der DGB Marburg-Biedenkopf. Der LSVD, der sich nicht dem Bündnis angeschlossen hat, forderte bereits im Vorfeld, die umstrittenen Redner auszuladen. Ein zwischenzeitlich gestartetes Treffen zwischen dem Veranstalter und dem LSVD brachte keine Entspannung. Die Veranstalter, die Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS), wird nicht müde zu betonen, dass der Kongress sich nicht um das Thema Homosexualität drehe. Homosexualität werde bei dem Kongress "allenfalls marginal thematisiert". Die APS versteht sich als wissenschaftliches Netzwerk für christliche Therapeuten und Seelsorger in der Kirche. Die evangelische Landeskirche Kurhessen-Waldeck distanzierte sich von der Veranstaltung: "In unserer Kirche ist für Homosexuelle Platz, auch für homosexuelle Pfarrerinnen und Pfarrer", sagte ihr Sprecher.
Bereits Anfang Mai baten die hessischen Grünen in einer aktuellen Fragestunde die Landesregierung zu einer Stellungnahme zum Kongress. Die Grünen-Abgeordneten Kai Klose und Angela zeigten sich erfreut darüber, " dass die Landesregierung noch einmal eindeutig klargestellt hat, dass Homosexualität weder krankhaft noch therapiebedürftig ist." Gleichzeitig forderten sie nochmals die Stadt und Uni dazu auf "sich endlich einen Ruck" zugeben und zu sagen, dass Menschen die Homosexuelle diskriminieren nicht willkommen sind. Im Jahr 2007 ist der Auftritt Markus Hoffmanns (Wüstenstrom) bei einem Kongress der Universität Graz nach zahlreichen Protesten kurz vor Schluss abgesagt worden. Nicht so in Marburg: der umstrittene Kongress startete hier mit Polizeischutz.
Von Cristina Costa und Björn Berndt



















