

No we can't
Eine historische Entscheidung: Mit dem Demokraten Barack Obama haben die US-Wähler den ersten afroamerikanischen Präsidenten ins Weiße Haus gewählt – zur überschwänglichen Freude nicht nur der Bürgerrechts-Aktivisten. Nicht gar so großer Jubel herrscht allerdings bei Schwulen und Lesben, ihre Rechte wurden in Kalifornien, Arizona, Florida und Arkansas durch Volksabstimmungen eingeschränkt.
Die größte öffentliche Aufmerksamkeit richtete sich dabei auf Kalifornien. Erst im Mai hatten hier die Obersten Richter die bestehende Ehegesetzgebung für verfassungswidrig erklärt und damit schwulen und lesbischen Paaren den Weg zu den Standesämtern geebnet. Promi-Paare wie Moderatorin Ellen DeGeneres und Schauspielerin Portia de Rossi („Ally McBeal“) oder „Star Trek“-Legende George Takei und sein Manager Brad Altman traten daraufhin im Sommer vor den Altar.
Der Widerstand formierte sich schnell: Konservative Familienverbände sammelten in Windeseile genug Unterschriften für ein Volksbegehren, Proposition 8, das vorsah, die Verfassung des Sonnenstaats um eine Beschränkung der Ehe auf Mann und Frau zu erweitern.
Die Schwulen- und Lesbenorganisationen konnten sich hochkarätige Unterstützung sichern: Brad Pitt, Barbra Streisand, George Lucas, Bridget Fonda und Mary J Blige steuerten großzügige Spenden für den Kampf gegen das Begehren bei, Ellen DeGeneres nahm einen Fernsehspot auf und trug auch gleich die Kosten für die Ausstrahlung. In ihrer Nachmittags-Talkshow sprach sich der demokratische Vize-Präsidentschaftskandidat Joe Biden auf sanften Druck der Gastgeberin gegen Proposition 8 aus.
Nützte alles nichts: Bis zum späten Nachmittag des 5. November MEZ waren 95,8 Prozent der Wahlkreise ausgezählt, die Homo-Ehen-Gegner lagen mit 52,1 Prozent in Front.
In Arizona, der politischen Heimat des bei den Präsidentschaftswahlen unterlegenen republikanischen Senators John McCain, wurde dank Proposition 102 und einer Mehrheit von 56 Prozent der Stimmen die Verfassungsbeschränkung der Ehe auf Mann und Frau festgeschrieben. Vor zwei Jahren noch hatten die Wähler des „Grand-Canyon-Staates“ einer weiter gehenden Vorlage eine klare Abfuhr erteilt. Proposition 102 ließ dagegen die Tür für Eingetragene Partnerschaften oder Partnervergünstigungen offen – laut Analysten ebenso ein Grund für die Annahme wie das engagierte Eintreten der Mormonen für den Homo-Ehe-Bann.
In Florida wurde Amendment 2 mit einer überwältigenden Mehrheit von 62,4 Prozent der Stimmen angenommen. Damit wurde auch hier die Ehe-Definition verfassungsmäßig eingeschränkt. Anders als in Arizona mussten unverheiratete Paare (und zwar homo- wie heterosexuelle) den Ausschluss von möglichen Partnervergünstigungen hinnehmen.
Keine guten Nachrichten gab es ebenso aus Arkansas, Heimat des demokratischen Ex-US-Präsidenten Bill Clinton. 56,4 Prozent der Wähler befürworteten Act 1, eine Initiative des konservativen Family Council Action Committees, die fortan unverheirateten Paaren – darunter auch schwulen und lesbischen – den Zugang zur Adoption oder Pflegeschaft von Kindern verwehren soll.
Von Torsten Bless


















