

Schwuler Schmusekurs
Sinneswandel: Noch vor einem Jahr erregte Christoph Daum, Trainer des 1. FC Köln, mit seiner Äußerung, man müsse Kinder und Jugendliche vor Homosexuellen schützen, Aufsehen. Jetzt spricht sich der 55-Jährige für das Coming-out von schwulen Fußballern aus: „Wenn ein Profi zu mir käme und sich outen würde, würde ich ihn unterstützen!“ Schwule seien eine „absolute Bereicherung“ und er habe selber schwule Bekannte, so Daum gegenüber der Presse. Ist der Startrainer etwa geläutert?
In der Welt des Profi-Fußballs ist Homosexualität noch immer ein Tabu. Schwul sind nur schlechte Pässe und verhasste Spieler. Vor einem Jahr jedoch kurbelte Trainer Christoph Daum die Diskussion zur Homophobie im Sport erst richtig an. Seine umstrittenen Aussagen, dass man Kinder und Jugendliche vor Homosexuellen schützen müsse, machten Schlagzeilen. Er empfahl damals, gegen „jegliche Bestrebungen, die gleichgeschlechtlich ausgeprägt sind“, vorzugehen. Nach lautstarken Protesten schwuler Verbände ruderte er nur wenige Tage später zurück und entschuldigte sich öffentlich für seine unglückliche Wortwahl: „Schwule sind für mich normale Kumpels.“
Bei der Auslosung des „Come-Together-Cup“ Mitte April setzte Daum nochmal einen drauf – im positiven Sinne. Kein böses Wort war über Schwule zu hören, im Gegenteil. Überschwänglich erklärte der 55-Jährige: „Das war immer eine absolute Bereicherung für mich. Schon in Istanbul hatte ich schwule Bekannte. Da gibt es eine illustre Schwulen-Szene – sensationell!“ Er fordert sogar Profis auf, sich zu outen: „Ich bin für das Coming-out von schwulen Fußballern. Bei etwa zehn Prozent Homosexuellen in Deutschland kann sich jeder ausrechnen, dass es auch unter Fußballprofis schwule Spieler gibt. Wenn ein Profi zu mir käme und sich outen würde, würde ich ihn unterstützen!“ Er sah allerdings auch Gefahren: „Wie das in der Mannschaft ankäme? Unter uns wäre das wohl kein Problem. Sobald er dann aber in einem anderen Stadion spielt, ist er dann bei den Fans eine ‚schwule Sau‘ und spielt einen ‚schwulen Pass‘.“
Beim „Come-Together-Cup“ treten am 11. Juni hetero- und homosexuelle Fußballteams gegeneinander an. Hauptveranstalter Andreas Stiene, selbst schwul, sagt über Daum: „Manche werden das als fadenscheinig sehen. Auf mich hat Daum damals und auch jetzt den Eindruck gemacht, dass er tolerant und weltoffen ist.“
Warum sich Christoph Daum in die erste Reihe der Schwulenversteher im deutschen Fußball stellt, wissen wir nicht. Wir hoffen aber, dass er seine Lektion gelernt hat und auch meint, was er sagt. Vielleicht ist der Kölner Schwulenflüsterer auch nur auf der Suche nach neuen Fans – die laufen ihm angesichts der anhaltenden Misere seines 1. FC nämlich gerade davon.
Von Josif Amam



















