

Die neue Natürlichkeit
Autor Axel Schock und Künstler Rinaldo Hopf erinnern jedes Jahr mit ihrer Text- und Bild-Anthologie „Mein schwules Auge“ auf angenehm-lustvolle Weise daran, dass Intellektuelle nicht nur labern, sondern auch ficken wollen. Und sie tun es auch. Stand in den vorangegangenen Ausgaben oftmals die Inszenierung von Sexualität im Vordergrund, versammelt die neue Nummer rund 52 Künstler und 54 Autoren, die mehr oder weniger offensichtlich so etwas wie die „neue Natürlichkeit“ in der Schwulenszene thematisieren. Soll heißen: der Konflikt zwischen der Sehnsucht nach dem perfekten Körper einerseits und der natürlichen Unvollkommenheit andererseits. Autor Sirko Salka zum Beispiel versucht sich dabei an einer neuen Definition von schwuler Männlichkeit („Würde es die arg strapazierte Hete überhaupt noch einmal bringen, uns als Vorbild fürs Mannthema zu dienen?“) oder Volker Surmann beschreibt hingabevoll den schlechtesten Sex seines Lebens („Schlechter Sex ist, wenn man noch währenddessen überlegt, wie man eine gute Geschichte daraus machen kann“).
Drum herum gibt es sportlich-muskulöse Streetjungs vom Fotografen Slava Mogutin, sexy-alberne Aufnahmen von Donatien Veismann, viele erotische Zeichnungen oder Fotos von behaarten Männern beim Sex anzuschauen. Das schwule Auge berührt dabei immer auch Grenzwertiges: die Lust nach Sperma, Gewalt in der Beziehung oder Fotos eines drahtigen Kerls mit amputierten Beinen. Das alles ist sinnlich, verstörend, fordernd, unmissverständlich, anstrengend, bereichernd und beglückend – so wie guter Sex halt eben ist.
„Mein schwules Auge 5“ von Axel Schock und Rinaldo Hopf (Hrsg.), 296 S., 15,50 EUR, Konkursbuch Verlag.
Anlässlich der Veröffentlichung gibt es vom 1.11. – 23.12. in der Werkstattgalerie in Berlin (Eisenacher Str. 6) eine Ausstellung mit Gemälden, Zeichnungen, Fotografien und Videos zu sehen.
Von Björn Berndt





















